Kult unter der Haut

Paul-Henri Campbell, Anna Schudt und Jan Ehlert

Bilder, die unter die Haut gehen, hat es immer schon gegeben. Frühzeitliche Tätowierungen waren vermutlich Stammesrituale oder kultische Handlungen, bei denen die Haut mit scharfen Steinen oder Knochen aufgeritzt und dann mit Asche oder Pflanzenfarbe eingerieben wurde. Naturvölker haben so den Übergang in einen neuen Lebensabschnitt markiert. Heute stechen Tätowierer auf der ganzen Welt ihren Kunden Wunschmotive in die Haut. Was vor Jahren noch schockierend wirkte, ist längst gesellschaftsfähig geworden. Die Beweggründe sind zwar individuell, aber Tätowierungen bleiben etwas Rituelles. Zahlreiche Weltreligionen beziehen sie in ihre Zeremonien ein.

Für sein Buch „Tattoo & Religion. Die bunten Kathedralen des Selbst“ hat Paul-Henri Campbell weltweit Tätowierte und Tätowierer mit einem besonderen Blick auf die Traditionen des Christentums befragt. Von der Jerusalemer Pilgertätowierung über christliche Tätowierungen auf dem Balkan bis hin zur abendländischen Mystik des Mittelalters spürt er diesem teils kultischen, teils spielerischen Treiben mit der subkutanen Tinte nach. Er zeigt Fotos und liest aus seinen Interviews, beispielsweise mit Mikael de Poissy, der in der Glasmalerei der Kathedralfenster ein Vorbild für seine Tattoo-Ästhetik fand. 

Im Gespräch mit Jan Ehlert geht Campbell auch der literarischen Faszination für Tattoos und Tätowierte nach. Die Schauspielerin Anna Schudt liest aus „Moby Dick“ von Herman Melville, aus „Die tätowierte Rose“ von Tennessee Williams sowie Werken von Clemens Meyer, Dante, Nora Gomringer, Durs Grünbein und Paul-Henri Campbell.

Partner: Übersee-Museum Bremen, Literaturhaus Bremen (virt.), VGH Regionaldirektion Bremen undBremer Literaturkontor
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Paul-Henri Campbell wurde in den USA geboren, hat in Frankfurt am Main und in Irland katholische Theologie sowie klassische Philologie studiert. Er schreibt Lyrik und Prosa in englischer und deutscher Sprache, arbeitet als Übersetzer und Herausgeber. 2017 erschien sein viel beachteter Gedichtband „nach den narkosen“, für den er den Bayerischen Kunstförderpreis und den Herman-Hesse-Förderpreis erhielt.

Anna Schudt studierte Schauspiel an der Otto-Falckenberg-Schule, hatte Engagements an den Münchener Kammerspielen, der Berliner Schaubühne und dem Bayerischen Staatsschauspiel. Außer auf der Bühne spielt sie in zahlreichen Film- und Fernsehproduktionen, seit 2012 auch im Dortmunder „Tatort“. Für den Film „Ein Schnupfen hätte auch gereicht“ bekam sie 2018 den International Emmy® Award als „Best Actress“ und für „Aufbruch in die Freiheit“ den Bayerischen Fernsehpreis sowie die Goldene Kamera 2019.

Jan Ehlert studierte Kommunikationswissenschaften in Bochum. Seit 2008 arbeitet er für NDR Kultur als Reporter und Moderator, hauptsächlich zu Themen aus der Literatur und der Kulturpolitik. Für seine journalistische Arbeit wurde er 2012 mit dem Medienpreis der Kinderhospizstiftung ausgezeichnet. Seit 2017 ist er Redakteur für die Themen „Religion und Gesellschaft".

Veranstaltungsort

Übersee-Museum

Bahnhofsplatz 13, 28195 Bremen

Seit über 120 Jahren präsentiert das Übersee-Museum Bremen „Die Welt unter einem Dach“ und verbindet in seinen modernen Ausstellungen die Themen Völker, Handel und Natur zu einem einheitlichen Erlebnis. Hier tauchen die Besucher in die schillernde Unterwasserwelt Ozeaniens ein, erleben Asien als Kontinent der Gegensätze zwischen pulsierenden Mega-Städten und spiritueller Ruhe und Tradition. In Afrika können sie die Wiege der Menschen erkunden, den Großtieren der Savanne nahe kommen oder die altägyptische Mumie des Priesters Harsiese bewundern. Das Leben der Indianer Nord- und Südamerikas, der präkolumbische Goldschatz oder die Lebenswelt am Amazonas können in Amerika entdeckt werden. Das aktuelle Thema Globalisierung greift die Schau „Erleben, was die Welt bewegt“ auf. Und wer noch mehr entdecken möchte, schaut ins Schaumagazin, das über eine Brücke mit dem Haupthaus verbunden ist.

https://www.uebersee-museum.de/

Anfahrt

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