Hinter heiligen Mauern

Christoph Türcke, Julia Schoch, Susana Fernandes Genebra, Ina Hohenstein, Michael Stanke und Anna-Katharina Schau

Dicke Backsteinmauern schirmen mitten in der Stadt eine Welt der Ruhe ab: Das Kloster Walsrode aus dem 10. Jahrhundert ist das älteste Frauenstift im ehemaligen Fürstentum Lüneburg. Hier taucht das Publikum für einen Abend in den rituellen Rhythmus des klösterlichen Lebens ein. In der Stadtkirche gibt Äbtissin Dr. Eva von Westerholt einen Einblick in die Geschichte des evangelischen Frauenstifts. Der Philosoph Christoph Türcke spricht von der Notwendigkeit, aber auch vom Verschwinden der Rituale in der Gegenwart.

Dann geht es in drei Gruppen durch die Barockanlage, deren Gebäude aus dem 18. Jahrhundert stammen. Alle besuchen nacheinander drei Stationen: Susana Fernandes Genebra liest aus Werken der Weltliteratur über Klosterrituale, die etwa bei „Narziss und Goldmund“ von Hermann Hesse und „Im Namen der Rose“ von Umberto Eco tragende Rollen spielen. Die Schriftstellerin Julia Schoch liest aus ihren Eindrücken über das heutige Klosterleben in Wienhausen: „Ich – Bewohnerin einer Zwischenzeit“ aus der Anthologie „Poesie und Stille“, für die 14 Autorinnen einige Wochen in niedersächsischen Frauenklöstern zu Gast waren. Unter Anleitung von Ina Hohenstein und Michael Stanke vom Loccumer Arbeitskreis Meditation erleben die Kleingruppen im Klostergarten, wie eine Geh-Meditation auf Körper und Geist wirkt. Den musikalischen Rahmen setzt die Akkordeonistin Anna-Katharina Schau.

Zwischendurch ist auch für das leibliche Wohl gesorgt. In der ganzen Zeit stehen den Gästen der Raum der Stille und der Klostergarten offen. Zum Abschluss kommen alle wieder in der Kirche zusammen und können ein gelebtes Ritual miterleben, wenn die Äbtissin mit den Konventualinnen eine Andacht hält. Zum Ausklang werden Brot, Wasser und Wein für alle gereicht.

Ab 16 Uhr: Möglichkeit zum Kaffeetrinken im Klostergarten

Partner: Kloster Walsrode undVGH Regionaldirektion Celle
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Christoph Türcke studierte Evangelische Theologie und Philosophie in Göttingen, Tübingen, Zürich und Frankfurt am Main. Von 1993 bis 2014 hatte er an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig eine Professur für Philosophie inne. Hier eine Auswahl seiner Bücher: „Heimat. Eine Rehabilitierung“ (2005), „Philosophie des Traums“ (2008), „Jesu Traum. Psychoanalyse des Neuen Testaments“ (2009), „Hyperaktiv! Kritik der Aufmerksamkeitsdefizitkultur“ (2012), "Mehr! Philosophie des Geldes" (2015) „Digitale Gefolgschaft. Auf dem Weg in eine neue Stammesgesellschaft“ (2019), "Natur und Gender. Kritik eines Machbarkeitswahns" (2021). 2009 war er erster Träger des Sigmund-Freud-Kulturpreises.

Julia Schoch studierte Germanistik und Romanistik, lehrte französische Literatur an der Universität Potsdam und ist seit 2003 freiberufliche Autorin und Übersetzerin. Ihr Roman „Mit der Geschwindigkeit des Sommers“ war 2009 für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert. 2012erschien „Selbstporträt mit Bonaparte“, 2018 „Schöne Seelen und Komplizen“. Sieübersetzt unter anderem Fred Vargas und Frédéric Beigbeder und hat am Literaturinstitut Leipzig unterrichtet. Zu ihren vielen Auszeichnungen zählender Preis der Jury beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb und der André-Gide-Preis der DVA-Stiftung für deutsch-französische Literaturübersetzungen.

Susana Fernandes Genebra studierte an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart. Sie war am Theater Basel, Staatstheater Stuttgart, Schauspielhaus Hamburg und Schauspielhaus Zürich tätig. 2009 wechselte sie ans Schauspiel Hannover. Seit der Spielzeit 2019/20 arbeitet sie als freischaffende Schauspielerin. Neben ihrer Tätigkeit am Theater, für Film und Fernsehen arbeitet sie auch als Sprecherin für Hörspiele im Radio.

Ina Hohenstein war nach einem abgebrochenen Studium in verschiedenen Jobs tätig und viel auf Reisen. Mit Anfang 30 kam sie nach einer lebensbedrohlichen Operation in Kontakt mit der Feldenkrais-Methode, einem am Körper orientierten Lernprozess: Bewusstheit durch Bewegung. Seit 25 Jahren ist sie freiberufliche Feldenkrais-Lehrerin in eigener Praxis und verbindet die Übungen mit dem Herzensgebet, einer meditativen Gebetsform aus der christlichen Tradition.

Michael Stanke studierte zunächst Schiffbau in Hannover und wechselte dann zum Studium der Theologie nach Hamburg. Als Vikar und Hilfspfarrer arbeitete er auf Langeoog, in Loccum und Neuenkirchen in der Lüneburger Heide, bevor er eine Pfarrstelle in Aurich bekam. 2011 bis 2017 war er Kloster- und Gemeindepfarrer in Amelungsborn, 2017 bis 2020 Seelsorger am Klinikum und Hospiz Hannoversch Münden.

Anna-Katharina Schau begann aus eigenem Wunsch heraus mit sechs Jahren mit dem Akkordeonspiel. Ihr Studium an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover nahm sie 2014 auf und ergänzte dieses mit einem Auslandsstudium an der Sibelius Academy in Helsinki. Erfolge bei internationalen Wettbewerben hatte sie zuletzt bei dem International Accordion Competition in Pula/Kroatien sowie beim Deutschen Akkordeon Musikpreis 2021 mit zwei ersten Preisen und einem Sonderpreis.

Veranstaltungsort

Kloster

Kirchplatz 2, 29664 Walsrode

Das heutige Evangelische Damenstift Kloster Walsrode wurde 986 von König Otto III als Kanonissenstift gegründet und ist damit das älteste der sechs sog. Lüneburger Klöster. Geweiht ist es Johannes dem Täufer. Fast 300 Jahre später wurde es in ein Benediktinerinnenkloster umgewandelt, behielt jedoch die Lebensform des freiweltlichen Kanonissenstiftes bei. Nach Einführung der Reformation 1517 durch Herzog Ernst den Bekenner nahmen die Klosterfrauen erst 1570 das lutherische Bekenntnis an. Erst gut 100 Jahre später wurde der Prozess der Umwandlung der Lüneburger Klöster in „Adlige evangelische Damenstifte“ in Walsrode abgeschlossen. 1482 brannten große Teile des Klosters nach einem Blitzschlag ab. Im Dreißigjährigen Krieg plünderten 1626 Soldaten Tillys das Kloster. 1812 wurde der Konvent aufgehoben und die Anlage durch französische Truppen Napoleons besetzt: Diese wechselvolle Geschichte sorgte dafür, dass viele Kunstschätze und die alte Bausubstanz zerstört wurden, so dass heute überwiegend Bauten aus dem 18.Jhdt. zu sehen sind. Am bekanntesten sind das „Lange Haus“ von 1720 sowie der Remter – Speisesaal – eine Stiftung des letzten deutschen Kaisers. Bemerkenswert sind die Stifterstatue des Grafen Wale (13.Jhdt), eine Christusfigur sowie ein Reliquienschrank (15.Jhdt) und die mittelalterlichen Glasfenster in der Barockkapelle.

http://www.kloster-walsrode.de

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