Von Mächtigen und Mitläufern

Clemens Meyer, Philipp Neudert, Farukh Sauerwein und Charlotte Milsch

Politik lebt von Ritualen, im Großen wie im Kleinen: Das gilt für internationale Gipfeltreffen und dörfliche Bürgermeisterwahlen, Ostermärsche und Fridays-for-Future-Demos genauso wie für Geheimtreffen von Neonazis oder Antifa. In Clemens Meyers Roman „Als wir träumten“ fliehen vier halbstarke Jungs vor den Glatzen, kämpfen mit Fäusten um Anerkennung, nehmen Reißaus vor der Zukunft und landen immer wieder bei der Polizei. Das Debüt des Leipzigers wurde 2006 gefeiert. In seinem Buch „Die stillen Trabanten“ erzählt er auch von Ritualen, etwa in der Geschichte von einem Wachmann, der seine Runden ums Ausländerwohnheim dreht und sich in eine Frau hinter dem Zaun verliebt.

Zwei Stipendiaten des Literatur Labors Wolfenbüttel lesen ihre Kurzgeschichten über radikale Rituale: Farukh Sauerwein schickt einen Reporter zu einem inszenierten Event-Terroranschlag in einer Arena für zigtausend Zuschauer. Sie holen sich Autogramme vom Attentäter, und wer die „Zehn Minuten Grusel“ überlebt, belohnt sich mit einem Fan-Shirt vom Merchandise-Stand. Philipp Neudert erzählt vom Wochenend-Ritual einer Horde Neonazis auf dem Dorf: Sie fahren ziellos durch die öde Gegend, rauchen, saufen bis zur Besinnungslosigkeit und drohen allen, die nicht so sind wie sie. Zur „Wintersonnenwende“ ist ein „Studierter“ auf Heimatbesuch dabei, der den stumpfen Gruppenzwang nicht mehr erträgt. 

Charlotte Milsch moderiert die Autorenrunde und spricht mit den Autoren über Rituale der Macht und die Macht der Rituale.

Partner: Literarisches Zentrum Göttingen e.V., Stiftung Niedersachsen undVGH Regionaldirektion Göttingen
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Die Vita von Clemens Meyer, 1977 in Halle an der Saale geboren, ist voller Brüche - und das entspricht diesem Ausnahmeschriftsteller auf eine ganz eigene Weise. Als Kind zog ihn einerseits die umfangreiche Bibliothek des Vaters in ihren Bann, auf der anderen Seite musste Meyer sich mit der harten Lebenswirklichkeit der Plattenbausiedlungen in Leipzig-Ost arrangieren. Sein Studium am Deutschen Literaturinstitut Leipzig von 1998 bis 2003 finanzierte er sich durch Gelegenheitsjobs als Wachmann, Möbelpacker und Gabelstaplerfahrer. Zwischendurch saß er wegen kleinerer Delikte in der Jugendarrestanstalt Zeithain ein. Trost bereiteten ihm gerade in diesen harten Zeiten die vermeintlich schiefen Lebensläufe von Schriftstellerlegenden wie Jack London oder Ernest Hemingway. 2006 gelang ihm schließlich mit seinem preisgekrönten Debütroman "Als wir träumten" der literarische Durchbruch. Und auch in der Folge konnte er sein Können erneut unter Beweis stellen: Sein Erzählband "Die Nacht, die Lichter" wurde 2008 mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet. 2010 erschien sein drittes Werk "Gewalten. Ein Tagebuch". Im Herbst 2013 wird Meyers zweiter großer Roman "Im Stein" veröffentlicht.

Philipp Neudert war Preisträger des Treffens Junger Autoren in den Jahren 2014 und 2016, Stipendiat des Literatur Labors Wolfenbüttel(2016) und der Bayrischen Akademie des Schreibens (2018). Er schreibt er zählende Prosa, Essays, Blogbeiträge, Buch- und Theaterkritiken. Nach dem Bachelor in Philosophy & Economis an der Universität Bayreuth studiert er nun den Master Responsibility in Science, Engineering and Technology (RESET).

Farukh Sauerwein lebt in Bremen und studiert Europastudien sowie Transnationale Literaturwissenschaft. Davor studierte er Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus in Hildesheim, war 2015 und 2017 Preisträger beim Treffen junger Autor*innen und 2016 Stipendiat der Stiftung Niedersachsen im Literatur Labor Wolfenbüttel. 2018 las er auf dem Internationalen Literaturfestival Berlin. Er veröffentlichte in verschiedenen Anthologien und schreibt gelegentlich auf www.sturmimgepaeck.blog.

Charlotte Milsch war von 2013 bis 2018 Geschäftsführerin, Programmleiterin und Dozentin im Literarischen Salon Hannover. Heute arbeitet sie frei, vor allem zu machtkritischen Perspektiven: moderierend bei Lesungen und Podien, schreibend, lektorierend und übersetzend für Online und Print. Ihre Arbeiten erschienen u.a. im Missy Magazine und Veto Magazin. Sie lebt in Berlin.

Veranstaltungsort

Junges Theater

Bürgerstraße 15, 37073 Göttingen

Das Junge Theater Göttingen wurde 1957 ursprünglich als Alternative und Opposition zum klassischen Stadt- und Staatstheaterbetrieb gegründet. Das studentische Laienensemble entwickelte sich zu einem professionellen Schauspielkollektiv, indem es junge Autor*innen und ihre ungewöhnlichen Sichtweisen auf die Bühne brachte. Heute versteht sich das Junge Theater noch immer als Ensemble- und Repertoiretheater, aber auch als einmaliger Frei- und Gastraum. Das professionelle Schauspielensemble teilt seine Bühne, damit sich Menschen im Theater unabhängig von Alter, Herkunft und gesellschaftlichem Status auf Augenhöhe begegnen können. Zur Zeit ist das Junge Theater in den Räume der ehemaligen Voigtschule in der Bürgerstraße beherbergt.

https://www.junges-theater.de/

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